DruckenInhalt

Geschichte der Schachtanlage Lothringen 1/2

Im Jahre 1872 erfolgte die Abteufung von Schacht 1, nachdem erste Kohlenförderungen bereits um 1850 auf den Grubenfeldern Sanssouci und Sadowa erfolgreich gewesen waren.

Die Gewerkschaft der Zeche Lothringen - in patriotischer Erinnerung an den deutsch-französischen Krieg von 1870/71 - war sodann der Zusammenschluss der Gewerke Fritz Funke, Heinrich Grimberg, Wilhelm Schürenberg und Friedrich Wilhelm Waldhausen. Hinzu kamen die Schächte 2, 3 und 6 in Gerthe und in Hiltrop 4 und 5. Am 28. April 1967 legte die Eschweiler Bergwerks Verein AG die Zeche, deren Verbund einst in den 20er Jahren einer der größten Arbeitgeber Deutschlands war, mit noch rund 3000 Beschäftigten still.

Seit 1992 sind sämtliche Restgebäude und Flächen in den Besitz der EGR übergegangen.

Zum Restensemble der heute noch erhaltenen Industriearchitektur von Lothringen 1/2 gehören: das Verwaltungsgebäude 1, die Maschinenhalle 1 im Jahre 1907 mit Merkmalen des Historismus und Jugendstil erbaut und vom Landschaftsverband Westfalen / Lippe unter Denkmalschutz gestellt (Fassade und Fenster saniert), das Verwaltungsgebäude 2, früher u.a. mit Praxis des Werksarztes, der Markscheiderei und Holerithabteilung (heute u.a. Zentrum für Bewegung und Tanz, Gesundheitstechnik, Heilpraktiker, IT-Firma), das Magazingebäude, Sitz des vom Bochumer Kulturrat e.V. betriebenen soziokulturellen Zentrums Kultur-Magazin Lothringen sowie die Doppelhalle des Maschinenhauses. Schacht 6 fungiert als Förderschacht für Grubengas, das von dem Kraftwerk G.A.S. in elektrische Energie umgewandelt wird (seit 2002). Außerdem erhalten ist als Erinnerung an die Bergwerksvergangenheit die Haspelstube unter dem Treppenturm zum Kultur-Magazin. Das Spritzenhaus wurde im Jahr 2007 abgerissen. Hier waren einst, nach dem Grubenunglück von 1912, die Särge der geborgenen Bergleute aufgereiht. Das berühmte Gemälde von Theodor Rocholl hat den Besuch von Kaiser Wilhelm II. auf Lothringen zu diesem Anlass festgehalten.

Die drei roten Schornsteine von Lothringen 1/2, das einstige Symbol von Gerthe, genannt "Die drei großen Herren", kehrten auf dem Umlagerungskörper des neuen Gewerbeparks Lothringen als Zitate der ehemaligen Zechenkulisse und Bergbautradition zurück: funktionale Lüftungsschächte in künstlerischer Gittergestaltung, zugleich Symbol lebendigen Strukturwandels in Bochum Gerthe.

Die Fördermaschinenhalle sowie das Maschinenhaus sind unter der Trägerschaft der EGR umgebaut worden und unter dem Namen Kulturwerk Lothringen KWL (Träger: TGR GmbH) eingeweiht worden.

Literatur:

Die alten Zechen an der Ruhr
von Hermann, Wilhelm u. Gertrude.
in Antiquariaten suchen